Kostenrechnung digital – Lernerlebnisse flexibilisieren, Verbundeffekte nutzen

Im Projekt wird gemeinsam mit Lehrenden verschiedener sächsischer Hochschulen ein zweisprachiger, digitaler OPAL-Kurs zur Kostenrechnung entwickelt. Der Kurs umfasst kurze Lehrvideos, erklärende Texte, interaktive Aufgaben im formativen und summativen Format sowie praxisnahe Beispiele. Alle Materialien werden als OER bereitgestellt, barrierearm (u. a. mit Untertiteln und Transkripten) aufbereitet und sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfügbar gemacht.

Der Kurs ist bewusst flexibel angelegt: Er kann als zusätzliches digitales Lehrmaterial in Präsenzveranstaltungen genutzt, als Aufgabensammlung in bestehende OPAL-Kurse integriert, zur Umsetzung von Blended-Learning-Formaten als Basis für Onlinekurse eingesetzt oder als eigenständiger Kurs für Studierende anderer Fachrichtungen und Berufseinsteiger im Selbststudium verwendet werden. Lehrende können Inhalte auswählen, anpassen, ausblenden oder in eigene Kurse exportieren und so den Kurs niedrigschwellig in sehr unterschiedliche Lehrkontexte integrieren.

Der Kurs entsteht kollaborativ, indem Lehrende verschiedener sächsischer Hochschulen Inhalte beisteuern und gemeinsam weiterentwickeln. Das Fach Kostenrechnung eignet sich hierfür besonders gut, da es Pflichtbestandteil aller BWL-Studiengänge ist, einen hohen Standardisierungsgrad aufweist und jährlich sehr viele Studierende an zahlreichen Hochschulen in Sachsen erreicht. So lassen sich Skalierungs- und Verbundeffekte optimal nutzen und hochschulübergreifende Synergien in der Lehre heben.

Details

Projektträger

Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft Kultur und Tourismus (SMWK)

Lessons Learned

Was lief gut im Projektverlauf?

Im Projektverlauf hat sich insbesondere die hochschulübergreifende Zusammenarbeit mit Lehrenden anderer Hochschulen sehr positiv entwickelt. Kolleg:innen haben sich früh in die Strukturierung des Kurses eingebracht und später eigene Lehrmaterialien, vor allem Aufgaben, beigesteuert und so in kurzer Zeit einen gemeinsamen Aufgabenpool aufgebaut, von dem alle Beteiligten profitieren. Durch den hohen Standardisierungsgrad der Inhalte in der Kostenrechnung war es vergleichsweise einfach, Materialien zu bündeln und anschlussfähig zu machen.

Auf Basis des regelmäßigen Feedbacks anderer Lehrender konnten wir den Kurs zudem didaktisch und technisch optimieren. Besonders erfreulich ist, dass der Kurs bereits an anderen Hochschulen eingesetzt wird und wir durchweg positives Feedback zur Einsetzbarkeit und Passung in unterschiedliche Lehrformate erhalten haben.

Bei der Entwicklung der Lehrvideos hat sich das Greenscreen-Studio der SLUB als zentrale und wertvolle Ressource erwiesen. Die professionelle Ausstattung und die professionelle Unterstützung der Mitarbeiter:innen vor Ort haben die Videoproduktion erleichtert und eine qualitativ hochwertige, effiziente und kostengünstige Erstellung der Lehrvideos ermöglicht.

Welche Herausforderungen ergaben sich bei der Projektdurchführung?

Bei der Projektdurchführung hat sich gezeigt, dass es in OPAL anspruchsvoll ist, einen Kurs mit vielen Seiten einheitlich und zugleich flexibel zu gestalten. Zwar lassen sich einzelne Kursseiten gut mit dem Editor oder mit HTML anpassen, aber ein konsistentes Layout über viele Seiten und Lernelemente hinweg zu erreichen, war gerade bei der Mitarbeit mehrerer Lehrender mit größerem Umfang des Kurses sehr aufwendig.

Ein wichtiger Schritt war deshalb die Entwicklung eines Template-Ansatzes. Die Inhalte haben wir zunächst in Word und Excel erstellt, damit sie für Lehrende leicht bearbeitbar bleiben. In OPAL haben wir in einem leeren Testkurs Beispielseiten für alle Kurs- und Lernelemente angelegt. Für jedes dieser Elemente wurde ein HTML-Template erstellt, das anschließend mit den eigentlichen Kursinhalten befüllt wird. So konnten wir das Design deutlich vereinheitlichen und den Aufwand bei der Kurserstellung reduzieren.

Eine Einschränkung besteht jedoch weiterhin: Änderungen am Layout oder an Designelementen lassen sich nicht nachträglich zentral für alle Seiten zugleich vornehmen, wie es etwa über ein gemeinsames Style Sheet möglich wäre. Perspektivisch könnte hier LiaScript unterstützen, das von Kolleg:innen in Freiberg entwickelt und inzwischen in OPAL eingebunden wurde. Für unser Projekt stand diese Option jedoch erst gegen Ende bzw. nach Abschluss der Entwicklung zur Verfügung.

Traten unerwartete Schwierigkeiten auf? Wenn ja, welche?

Ja, es sind auch unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten. Eine wichtige Hürde betraf die Weitergabe der im Kurs entwickelten Lernelemente an andere Lehrende. In OPAL ist es zwar problemlos möglich, eine vollständige Kopie des gesamten Kurses zu erstellen. Deutlich schwieriger als erwartet ist jedoch der gezielte Export einzelner Module oder einzelner Lerneinheiten in andere, bereits bestehende Kurse.

Gerade für Lehrende, die nur bestimmte Bausteine übernehmen oder ihre eigenen OPAL-Kurse punktuell ergänzen möchten, wäre dieser modulare Export sehr hilfreich. Da dies technisch nicht so einfach möglich ist, wie wir es zu Projektbeginn angenommen hatten, erschwert dies die flexible Nutzung und Wiederverwendung einzelner Elemente durch andere Lehrende etwas.

Was würden Sie aus Ihren Erfahrungen heraus für ähnlich angelegte Projekte empfehlen?

Grundsätzlich zeigt unsere Erfahrung, dass sich eine standortübergreifende Zusammenarbeit besonders bei großen, stark standardisierten Lehrveranstaltungen wie der Kostenrechnung lohnt. Gemeinsame Kursentwicklung, geteilte Aufgabensammlungen und regelmäßiges Feedback führen zu besseren Materialien, verteilen den Arbeitsaufwand und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs tatsächlich an mehreren Hochschulen eingesetzt wird.

Für die Produktion von Lehrvideos empfehlen wir, vorhandene hochschulische Infrastruktur gezielt zu nutzen. Das Greenscreenstudio der SLUB hat uns hier deutlich entlastet, sowohl was Technik als auch Qualität der Videos betrifft.

Für das Kursdesign sollte man entweder frühzeitig eine eigene Templatelösung entwickeln oder auf Werkzeuge wie LiaScript zurückgreifen.

Nachnutzungsmöglichkeiten

Die deutsch- und englischsprachigen Kurse stehen dauerhaft in OPAL zur Verfügung. Sie können von Studierenden der sächsischen Hochschulen jederzeit genutzt werden und eignen sich auch für interessierte Absolvent:innen oder Studierende anderer Fachrichtungen, die sich Grundlagen der Kostenrechnung im Selbststudium aneignen möchten. Bereits jetzt werden die Kurse von Lehrenden in Sachsen einegsetzt. Alle Materialien sind als OER angelegt. Lehrende können Inhalte bei Bedarf anpassen, erweitern oder in eigene Kurse integrieren.

Aus den Erfahrungen im Kursdesign haben wir zudem einen eigenen OPAL-Kurs entwickelt, der das Vorgehen mit HTML-Templates dokumentiert und anhand von Beispielen veranschaulicht. Dieser „Musterkurs“ kann als Hilfestellung bei der Erstellung digitaler Lehrangebote in OPAL genutzt werden.

Weitere Informationen

Projektzeitraum: 01.04.2024 bis 30.06.2025

Produkt

Deutschsprachiger Digitaler Kostenrechnungskurs

www.bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/44313214978

Produkt

Englischsprachiger Digitaler Kostenrechnungskurs

www.bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/50555125760

Generelles

Best-Practice: OPAL-Kurs mithilfe eines eigenen HTML-Templates designen (der Zugang zum Produkt ist frei verfügbar)
https://bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/51955826689

Kontakt

Prof. Dr. Peter Schäfer

TUD, Fakultät Wirtschaftswissenschaften

peter.schaefer@tu-dresden.de

0351 463-40881

www.tu-dresden.de/bu/wirtschaft/bwl/manaccount